Das Jazz-Album von Miki Matsubara

Ein Streifzug durch die Diskografie bekannter City-Pop-Künstler bringt manchmal viele Überraschungen mit sich.Tatsuro Yamashita’sCoveralben,Toshiki Kadomatsus Instrumentalalben – so viele Sonderfälle bei diesen Künstlern, die mühelos vorformatierte Titel für ein breites Publikum schreiben können.

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Heute interessiert uns das Album Blue Eyes von Miki Matsubara. 1984 erschienen, bildet es eine Klammer in der Laufbahn der berühmten Interpretin vonStay With Me(zur Erinnerung: 1980 veröffentlicht).

Cole Porter, Erroll Garner, Antonio Carlos Jobim und andere

Werfen wir gleich einen Blick auf die Setlist, um zu sehen, worum es geht:

  • Love For Sale –Cole Porter
  • Misty –Erroll Garner
  • You’d Be So Nice To Come Home To –Cole Porter
  • Wave –Antonio Carlos Jobim
  • Love Letters –Edward Heyman, Victor Young
  • Cheek To Cheek –Irving Berlin
  • You’ve Got A Friend –Carole King
  • Tea For Two –Irving Caesar, Vincent Youmans
  • When You Wish Upon A Star –Leigh Harline, Ned Washington

All diese Stücke sind Jazzstandards. Ein Standard ist ein „bekanntes“ Jazzstück in dem Sinne, dass es regelmäßig im Konzert oder sogar bei einer Jazz-Jam gespielt wird. Noten (und/oder Akkordtabellen) findet man leicht in Real Books (oder neuerdings in Apps wie iReal Pro).

Die Titel, die am meisten herausstechen

Love For Salelegt kräftig los mit seinem Tempo von 200. EinCole PorterStandard, der von vielen Jazzgrößen interpretiert wurde.Boney Mmachte 1977 sogar eine Disco-Version davon!

Misty, auch berühmt geworden durch den Film „Play Misty For Me“ mitClint Eastwood.

You’d Be So Nice To Come Home Toist sicherlich das eingängigste Stück. Das instrumentale Intro ist erhaben, und die Präzision des Schlagzeugs über das gesamte Stück macht es zweifellos zum besten Titel dieses Albums.

WavevonAntonio Carlos Jobimist – wie man es vom Komponisten erwarten darf – eine Bossa-Nova-Ballade

Cheek To Cheek, kürzlich neu aufgelegt vonLady Gagaverleiht diesem Album eine eher fröhliche Note

 

Eine hervorragende Produktion, aber mit Luft nach oben

Dieses Album ist zweifellos sehr interessant, wenn man ein Fan der Sängerin ist. Auch wenn das Niveau der Musiker und die Produktion ausgezeichnet sind, muss man bei der gesanglichen Interpretation ehrlich bleiben. J-Pop-Sängerinnen glänzen nicht unbedingt durch Tonsicherheit, während genau das die größte Stärke von Jazzsängerinnen ist. Leider gab es 1984 kein Auto-Tune! Aber es gab andere Techniken, die hier nicht genutzt wurden (insbesondere das Doppeln der Stimme). Man muss sagen, dass diese Effekte nicht unbedingt zum Stil des Albums gepasst hätten. Insgesamt ist es trotzdem recht gut, aber gerade der TitelYou’d Be So Nice To Come Home Toerreicht aufgrund dieses kleinen Makels nicht sein volles Potenzial.

 

Das Album kann man auf Youtube und Spotify/Deezer/Tidal … hören.

 

Jazz in Japan – ein Einfluss auf City-Pop

Es ist also eine Heimkehr fürMiki Matsubara. Jazz ist ein entfernter Verwandter des City-Pop. In der direkten Abstammung finden wir ebenso Pop-Künstler (The Beatles, David Bowie …) wie Jazz-Fusion-Künstler (Casiopea, Masayoshi Takanaka…)

Um noch einmal genauer auf den Jazz zurückzukommen: Er bleibt (wie in anderen Ländern) eher unauffällig und wenig populär. NurRyo Fukuimit seinem AlbumSceneryschaffte es, sich einen Platz unter Jazzliebhabern zu erobern – und das auch erst ab 2014. Das Album hat inzwischen 13 Millionen Aufrufe auf Youtube!

Wenn du japanischen Jazz entdecken möchtest, empfehlen wir Mint vomKosuke Quintet (1970!):

https://www.youtube.com/watch?v=DjuJYrrNgnI

 

Quellen:

discogs.com/fr/release/10728322-Miki-Matsubara-Blue-Eyes

https://en.wikipedia.org/wiki/Scenery_(Ryo_Fukui_album)

https://www.senscritique.com/liste/Jazz_japonais/2726348